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15.10.2009 Me 262 Düsenjägerabsturz bei Üfingen aufgeklärt

Ergebnis einer Recherche über den Absturz eines Düsenjägers Me 262 im Frühjahr 1945 an der Alvesser Mühle bei Üfingen

Von Willi Korowski, Bürgerverein Üfingen. e.V.

Bei meinem ersten Kontakt mit Knut Eggers aus Husum im Herbst 2008 berichtete er über seine Zeit in der Flak Batterie 5./521 (RAD-Flak Bezeichnung 3./181) von einem Absturz eines Düsenjägers Me 262 im Frühjahr 1945 – eines der modernsten Flugzeuge der damaligen Luftwaffe.

Nach übereinstimmenden Aussagen auf dem Zeitzeugentreffen im Mai 2009 in Üfingen wurde der Absturz bei der Alvesser Mühle – etwa Ende Febr./Anfang März 1945 - nochmals von Knut Eggers (Jahrgang 1927) und von Alfred Mügge (Jahrgang 1925) bei meinem Besuch im August in Gittelde bestätigt. Beide hatten den Absturz von der Flak-Stellung Üfingen aus beobachtet.

 

         

Knut Eggers (82) und Alfred Mügge (84) im September 2009

Sowohl Knut Eggers, als auch Alfred Mügge mussten zeitweise die Absturzstelle bewachen. Unter Sicherheitsvorkehrungen wurde der tote Pilot und Teile des Wracks geborgen. In diesem Zusammenhang erinnerten sie sich , dass es ein Düsenjäger von einer Einheit „Nowotny“ war und an Namen wie „Baumbach“ oder „Baudach“.

Quelle: Knut Eggers

Luftaufnahme vom 8. April 1945 Quelle: Karl-Heinz Heineke

Nachforschungen ergaben, dass Heinz-Helmut Baudach am 22.02.1945 mit einer Me 262 bei Schönwalde abgeschossen und beim Absprung schwer verletzte wurde und an einem doppelten Schädelbruch verstarb.

Werner Baumbach war ein erfolgreicher Kampfflieger, der den Krieg überlebte. Nach englischer Gefangenschaft ging er 1948 nach Argentinien und wurde dort Militärberater. 1953 stürzte er mit einem Lancaster-Bomber tödlich ab.

Beide kamen also als Piloten des abgestürzten Düsenjägers Me 262 nicht infrage.

Die Suche mit einem Detektor an der beschriebenen Absturzstelle brachte ein Teilergebnis. Es wurden verschiedene Metallteile an der Oberfläche gefunden. Eine Beurteilung der Fundstücke durch das Luftfahrt-Museum Laatzen-Hannover, diese Teile einem bestimmten Luftfahrzeug-Typ zuordnen zu können, war nicht möglich. Die gefundene Ventilklappe wurde baugleich in verschiedene Typen eingebaut.

 

Weitere Recherchen führten mich über das Buch „Strahljäger Me 262 im Einsatz“ von Manfred Jurleit, in dem alle Geschwader, Gruppen und Kommandos dargestellt und beschrieben werden, zum Jagdgeschwader 7(JG-7) „Nowotny“. Die Gruppe III./JG-7 war sowohl in Brandenburg-Briest, in Parchim, als auch in Oranienburg stationiert.

In dem Buch wird u.a. berichtet, dass von diesen 3 Stützpunkten am 3. März 1945 29 Me 262 gegen einen USAAF-Bomberverband starteten, der einen Großangriff gegen Ziele in Hannover, Braunschweig, Magdeburg und Chemnitz flog. Gegen 10.15 Uhr kam es im Raum Braunschweig – Magdeburg zu heftigen Luftkämpfen, wobei 3 B-17 Bomber, 1 Thunderbolt, 1 Liberator sowie 1 Mustang abgeschossen wurden. Ein Hauptmann Gutmann, Ritterkreuzträger und ehemaliger Kampfflieger der III./KG-53, stürzte allerdings bei Waggum tödlich ab.

Im Anhang des Buches steht der Hinweis, dass es sich um die Me 262 mit der WK. Nr. 110 558 aus dem Werk Messerschmitt in Schwäbisch Hall mit der Kennung NN + HH handelte und die Maschine vom KG-51 übernommen wurde. Dort wurde sie am 21.2.1945 durch Jägerbeschuss bei der Landung zu 45 % beschädigt. Nach der Reparatur kam sie zum JG-7. Dort flog Hptm. Heinz Gutmann am 03.03.1945 den Angriff mit und stürzte südlich von Waggum bei Braunschweig tödlich ab.

Da mir bei der Lektüre des Buches aufgefallen war, dass in der Regel bei Abstürzen immer nur Fliegerhorste oder große Städte genannt wurden und die Me 262 Geschwindigkeiten von 800 bis 900 km/h erreichte, kam mir bei „Absturz südl. Waggum bei Braunschweig“ der Gedanke, hier weiter zu recherchieren. 

Bei meinen weiteren Nachforschung im Internet stieß ich auf eine brasilianische Internetseite, die den Namen eines Ritterkreuzträgers Heinz Gutmann zum Inhalt hatte und den Absturz 03.03.45 bestätigte.

 

 

Die weitere Suche brachte mich zu der Seite www.das-ritterkreuz.de, wo der Name Heinz Gutmann mich zu dem nachstehenden Ergebnis führte und somit der Absturz einer Me 262 an der Alvesser Mühle bestätigt wurde.

Quelle: das-Ritterkreuz.de

 

Quelle: Deutsche Kriegsgräberfürsorge

 

Die letzte Ruhestätte von Hauptmann Heinz Gutmann befindet sich auf der Kriegsgräberstätte im militärischen Teil des Hauptfriedhofs in Braunschweig.

Das Grab von Hptm. Heinz Gutmann auf dem Braunschweiger Hauptfriedhof. Das Foto wurde am 23.09.2009 aufgenommen

 

Einen weiteren Mosaikstein fand ich im Internet: Das von Knut Eggers auf dem Zeitzeugentreffen erwähnte „Deutsche Kreuz in Gold“ – er hatte es an der Uniform in aufgenähter Form gesehen - ist Heinz Gutmann bereits im November 1942 als Leutnant verliehen worden. Somit ist auch diese Aussage belegt worden. Auch das Ritterkreuz wurde damals gefunden - ein Kamerad hatte es an sich genommen und es ihm später heimlich gezeigt.

Weiterhin fand ich einen Link zu einem Buch in englischer Sprache „Jagdgeschwader 7 –Nowotny -“ von Robert Forsyth, in dem weitere Einzelheiten über den Absturz von Hauptmann dokumentiert sind.

Auszug aus dem Buch

Link: books.google.de/books

 

Die Information des nunmehr geklärten Absturzes und Übergabe dieser Recherche an den Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen (KBD) erfolgte umgehend durch Christoph Gerecke, dem die Liegenschaft gehört und bewirtschaftet. Eine erste Untersuchung ergab weitere Metallfunde an der Oberfläche und weiteres Metall wurde tiefer im Erdboden geortet. Ob es sich dabei um Bordmunition handelt, soll ab Mitte Oktober eine genaue Untersuchung des Geländes ergeben.

 

Bergung der restlichen Wrackteile der Me 262
durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst am 07.10.2009

Nachdem die übergebenen Unterlagen und Luftaufnahmen des KBD ausgewertet waren, erhielt Christoph Gerecke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst einen Anruf, der ihn veranlasste, sofort einen Teil des Rübenplans zu roden, damit eine kurzfristige Untersuchung der Absturzstelle und Bergung der Wrackteile am 7. Oktober 2009 erfolgen konnte.

Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass nach über 64 Jahren bei den Bergungsarbeiten aus über 2,00 Meter Tiefe ausgerechnet die Erkennungsmarke mit der Nr. 69873 mit zu Tage gefördert wurde. Diese wird durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst an die Dienststelle der Kriegsgräbersuche in Kassel weitergeleitet und von dort an die Deutsche Dienststelle (WAST) in Berlin.

 

Außerdem wurden Teile vom Fahrwerk, Reifenteile, Teile vom Gurt, Reste von Kabelbäumen, Alu-Teile, sowie viele größere und kleinere Metallteile aller Art gefunden. In zwei blauen Tonnen und einer großen Mülltüte wurden die geborgenen Reste der Me 262 durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst abtransportiert und entsorgt.

Zum Glück wurde keine Bordmunition gefunden. Eine bereits gekennzeichnete Stelle und die weitere Umgebung der Absturzstelle soll, wenn der Rübenplan gerodet ist, weiter untersucht werde.

Hier einige Fotos von der Bergung

 

 

 

 

 

 

 

ANHANG

 

Zu dieser Einheit gehörte Hauptmann Heinz Gutmann
Seine Me 262 A-1a hatte die Werk-Nummer 110558

Nachstehend die baugleiche Me 262 A-1a von Heinz Bär mit der
Werk-Nummer 110559

 

 

 

Quelle: www.luftarchiv.de
Erstellt von Bert Hartmann © 1998-2009

 

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